Trotz Frost fiebern hessische Narren Fastnacht entgegen
Von Stephan Scheuer,
06.02.2012
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Bei eisigen Temperaturen fiebern die hessischen Narren der Fastnacht entgegen. Mit Helau, Musik und Kamelle wollen sie durch viele Innenstädte ziehen und die Rathäuser erstürmen. Foto: dpa
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Auch bei Dauerfrost bereiten die Narren in Hessen eifrig Fastnacht vor. Trotz Gefrierschrank-Graden soll es Süßigkeiten regnen - und die Lärmgegner stimmen mit einem Kinderfasching am Flughafen mit ein.
Frankfurt/Main. Bei eisigen Temperaturen fiebern die hessischen Narren Fastnacht entgegen. Bis Rosenmontag sind es zwar noch rund zwei Wochen, aber schon diesen Samstag wollen die Narren in Oberursel das Rathaus erstürmen. Hunderttausende Narren werden in den Hochburgen erwartet. Ausgefallenes soll auch wieder dabei sein: Von hüpfenden Narren beim Springerzug in Herbstein im Vogelsbergkreis bis hin zum Frankfurter Flughafen, an dem die Narren am kommenden Montag mit einem Kinderfasching gegen Fluglärm demonstrieren wollen.
Noch größer als im vergangenen Jahr wird aller Voraussicht nach der größte hessische Umzug in Frankfurt. Der Zug am Fastnachtssonntag steht unter dem Motto "Frankfurt lacht und Frankfurt singt, Fassenacht am Main beschwingt". Obwohl der Anmeldeschluss erst am kommenden Freitag endet, haben sich schon jetzt mehr Gruppen angemeldet als im Vorjahr, wie der Sprecher des Großen Rates, Peter Ruhr, berichtete. 2011 waren 3200 Narren auf der Strecke, 350 000 bis 400 000 Zuschauer säumten die Straßen.
Fulda
In Fulda als weiterer Hochburg sollen rund 220 Zugnummern und 4500 Teilnehmer durch die Innenstadt ziehen. Das Motto lautet: "Narretei bleibt krisenfrei." Je nach Wetter werden bis zu 70 000 Zuschauer erwartet. Problematisch wäre es für die Organisatoren nur, wenn es schneit. Dann drohen die Wagen in den teils engen Straßen und Gassen in die Zuschauerreihen hineinzurutschen. "Die Kälte aber kann uns nichts anhaben. Man kann sich mit Skiunterwäsche und Tee warmhalten", sagt Christian Wighardt, Präsident der Fuldaer Karneval-Gesellschaft.
Dieburg
In Dieburg feiern sich die Narren des Karnevalsvereins schon seit mehr als 500 Jahren. Mit rund 1700 Mitgliedern nennt sich der Karnevalsverein der südhessischen Kommune auch stolz "Deutschlands größter Karnevalsverein". Kein Wunder, dass alljährlich Zehntausende von Fastnachts- und Karnevalsfreunden in Dieburg jubelnd den großen Fastnachtszug begleiten. Unter dem Motto "Ob Ludwigs- oder Römerhall - wir feiern Fastnacht überall" erwartet der Vereinsvorsitzende Friedel Enders rund 70 000 Besucher. Die Aktiven des Fuldaer Karnevals wollen mit gutem Beispiel vorangehen und weitgehend auf Alkohol verzichten.
Herbstein
Der wohl ungewöhnlichste Rosenmontagszug des Landes steht wieder im fastnachtsverrückten Herbstein auf dem Programm: Beim traditionellen Springerzug tanzt der Karnevalsprinz, stundenlang bunt kostümiert, in bestimmter Schrittfolge durch die Straßen der Kleinstadt im Vogelsberg. Vor den Häusern von Geschäftsleuten bittet er die Frauen zum Tanz. Seinen Platz mittendrin hat sich Michael Ruhl ersteigert. Schlappe 1300 Euro legte er bei der traditionellen Auktion auf den Tisch und darf nun als "Bajazz" mit rotem Kostüm und im Hopserlauf den Springerzug anführen. Manuel Hensler von der Fastnachtsvereinigung erwartet zum Rosenmontag zwischen 6000 und 7000 Menschen. Kälte stört die Narren nicht, meint er. "Wenn das Wetter so sonnig und trocken bleibt, könnten wir uns nichts besseres wünschen."
Seligenstadt
Am Marktplatz in Seligenstadt (Kreis Offenbach) treffen sich die Narren am Rosenmontag um 07.11 Uhr. "Moins früh geht's schon los, da wird der Prinz geweckt", berichtet Richard Biegel vom Heimatbund der Stadt. Der Royal zieht zusammen mit dem Volk und der "Weckhex'" zum Palais seiner Prinzessin, klopft an ihr Fenster und küsst sie wach. Zum Umzug am Nachmittag werden 30 000 bis 50 000 Menschen erwartet. "Wir sind in Seligenstadt stolz darauf, einen werbefreien Zug zu haben", sagt Biegel. Finanziert werden die rund 100 Zugnummern mit Einnahmen aus Plaketten.
Oberursel
Zum Knall eines Kanonenschusses stürmen bereits am kommenden Samstag um 11.11 Uhr Narren in der Taunusstadt Oberursel das Rathaus. Am Wochenende drauf zieht sonntags der Taunus-Karnevals-Zug mit rund 140 Wagen und Gruppen durch die Stadt. "30 000 bis 40 000 Zuschauer haben wir bei schönem Wetter bestimmt", sagt eine Sprecherin der Stadt. Finanziert wird das bunte Treiben vom Vereinsring und mit Zuschüssen der Stadt.
Heldra
Und an Aschermittwoch ist alles vorbei - eigentlich. Im nordhessischen HELDRA allerdings vertreiben traditionell am Mittwoch nach Karneval die Strohbären den Winter. Junge Männer werden über Stunden in Roggenstroh eingewickelt, um einem hugenottischen Brauch zufolge als Strohbären durch den 500-Einwohner-Ort zu laufen. "Je kälter es ist, um so besser für die Strohbären", sagte Mario Nemeth von der Strohbärengesellschaft. Begleitet werden sie von hunderten Zuschauern und selbstgemachter "Katzenmusik" aus Trompeten und Trommeln. Nach dem Marsch werden die Strohbären verbrannt - natürlich ohne die jungen Männer.